Lago di Garda non stop

Eigentlich sollte meine erste Alpenüberquerung mit dem Mountainbike sein und eigentlich schon vor circa 10 Jahren stattgefunden haben. Aber manchmal kommt es dann halt anders als man denkt. So war es dann auch.

Vor circa 3 Jahren habe ich mit dem Rennradfahren angefangen, längere Strecken mit dem Singlespeed waren einfach nicht drin. So habe ich mir dann ein Rennrad gekauft und es ein Jahr gefahren, bevor ich die Teile an einen neuen Rahmen – einen Salsa Chilli con Crosso – umgebaut habe. Von Salsacycles richtigerweise ihr „Tu-alles-was-du-willst“ Rad bezeichnet fahre ich es als Cross/Singlespeeder/Straßenrad und es hat nun auch schon ein paar Kilometer unter den Reifen.

Inspiriert von den Vorhaben/Berichten von Michael und Phil im letzten Jahr über ihr Tour Divide Projekt kam mir die Idee einer Transalp auf der Straße. Eine Gruppe war gefunden mit Michael und noch einen Freund. Allerdings lies sich kein gemeinsamer Zeitpunkt 2012 finden.

Für 2013 stand also dieser Punkt irgendwo auf der Liste. Nachdem ich bis Mai schon ein paar Touren mit über 100km absolviert hatte, drängte mich die Frage was kommt jetzt?

Vielleicht ist es das Team, mit all seinen fantastischen Mitgliedern und unglaublichen Vorhaben – Ausilia und Sebastiano unerreicht mit Iditabike, Michael, Phil und Marco mit Tour Divide, sowie Rene mit der Grenzsteintrophy, von den 24 Stunden Rennen ganz zu schweigen.
Die Touren, die auf Strava, FB von Jelle, Sheldon und all den anderen gepostet werden tun ihr Übriges.

Na ja kurz gesagt, ich wollte zum Gardasee fahren, und das am besten an einem Stück.
Es hing nur noch vom Wetter und dem Dienstplan ab.
Anfang Mai war klar, im Juni hatte ich zweimal drei Tage am Stück frei, nun kam es aufs Wetter an. Es schien, dass gleich der erste Termin passen könnte. Die Wettervorhersage war für die zweite Woche perfekt, also ging es ans Planen der Strecke. Aus dem Tourforum hatte ich schon einen groben Plan, wie sollte der dann aber umgesetzt werden? Ich hatte mich schon mit den Apps von Strava und komoot zur Tourplanung hier um die Ecke auseinander gesetzt und es wurde schnell klar, mit dem Iphone würde es nicht gehen. Also musste ich mir noch ein GPS Gerät zulegen. Dank komoot waren aber die Tracks schnell gefunden und gespeichert.

Leider musste mein Rücktransport/Begleitfahrzeug kurzfristig absagen, aber der Beschluss zu fahren war schon lang gefallen. Dank Phil konnte ich noch schnell einen Transportservice (Sport Shuttle aus Rosenheim) und ein Hotel am Lago buchen.

Am 12.06.13 um 17.15h ging es dann los.
Das Wetter war sonnig, die Temperatur angenehm, was in letzter Zeit ja nicht so häufig vorkommt.

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Der Einfachheit hatte ich die Strecke in vier Abschnitte geteilt.
Der erste ging auf bekannten Wegen Richtung Starnberg, Bad Tölz zum Achensee.
Auf den ersten Kilometern ist es schon ein eigenartiges Gefühl zu wissen, in den nächsten 24 Stunden werde ich auf dem Rad sitzen. Wie muss es dann erst sein sich vorzustellen es werden die nächsten 24 Tage sein…?
Es ging durch Augburg, vorbei an Merching, Moorenweis, Starnberger See bis Bad Tölz. Dort war ich um 22h und wollte noch was essen, als Stärkung für die Nacht. Das war aber gar nicht so leicht, wer hätte das gedacht! Zum Glück hatte der Wirt in einem thailändischen Lokal ein Herz und mir einen Teller Nudeln gegeben, scharf aber gut! Bis hierher ging es schon mal ganz gut, alles im Zeitplan. Nachdem ich mich für die Nacht angezogen hatte ging es Richtung Achensee. Imposant waren die Berge rechts und links in der Nacht schwarz aufragend. Irgendwann nach 7 Stunden war ich in Achenkirch am Ende des ersten Abschnittes. Kurze Pause und den nächsten Track geladen. Mein Plan war, zum Frühstück in Innsbruck zu sein, bevor es über den Brenner gehen soll, zum einen zur Energiebeschaffung, aber auch damit es oben nicht so kalt wird. Allerdings hatte ich das Ende des zweiten Abschnittes verwechselt, das war nicht Innsbruck sondern Sterzing!
Vom Achensee ging es schnell ins Inntal Richtung Innsbruck mehr oder weniger immer entlang der Autobahn. Ein Colaautomat irgendwo an einer Sparkasse hat mich wach gehalten. Vor Innsbruck ging es dann aber auch schon hoch. In Ampass konnte ich an einem Brunnen zum Glück meine Flaschen mit Wasser füllen. Um vier Uhr in der Früh schaut ein Radler bestimmt unheimlich aus der auf einer Bank im Dorf sitzt…
Von hier aus ging es dann in Wellen immer weiter hinauf, parallel zur Brenner Autobahn, allerdings auf der anderen Seite des Tals. Der Himmel wurde schon langsam wieder hell, es war aber noch sehr lange hin bis zu den ersten Sonnenstrahlen. Mir war saukalt. Matrei war auch bald erreicht, ebenso der Brennersee, die letzte Rampe tat aber nochmals ziemlich weh. Es war zwar kalt und ich hatte so langsam Hunger, aber anstatt in Innsbruck, war ich dann schon in Sterzing – auch kein schlechtes Gefühl. Die Abfahrt vom Brenner verlief auf einem neuen Radweg entlang einer alten Bahnstrecke. Gämsen gibt es übrigens auch dort – 10m von mir weg.
Etwas verfroren war ich um 8h in Sterzing zum ersten italienischen Frühstück.
Die Erwartung auf mehr als 30°C die für den Tag angekündigt waren, hatten mich innerlich schon mal warm gehalten. Der zweite Abschnitt lag nun hinter mir.

Der direkte Weg nach Bozen ging übers Penser Joch und da zu einer Rennradtour in den Alpen auch ein Pass gehört, ging es nun da rauf. Das gilt aber auch für Motorradtouren. Anfangs waren es nur ein Paar, gegen Mittag war ich dann immer froh, wenn ich eine Kehre passiert hatte. Ich hab sie schon lang gehört, allerdings war ich mir nicht sicher, ob die mich hinter einer Kurve auch sehen können. Als Entschädigung wurde es mir „langsam“ warm, die Sonne war da, und oben an der Passhöhe war das Wetter fantastisch, die Angst durch Schnee fahren zu müssen war unbegründet. In der Hütte zur Stärkung ein paar Kasnocken, vielleicht wären Röstkartoffeln besser gewesen, Fett hat aber mehr Energiegehalt und viel konnte ich nicht essen…

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Von hier oben sollte es aber nur bergab nach Bozen gehen. Vorfreude auf 30km Abfahrt. Seitdem habe ich Respekt von den Profis die mit mehr als 70km/h Berge hinunter fahren!

Vom Pass durch das Tal war es ein komisches Gefühl unmittelbar in Bozen zu stehen, 30°C inklusive. Der Weg Richtung Etschtalradweg war auch schnell gefunden. Abschnitt drei lag nun hinter mir.

Die Empfehlungen waren vormittags von Bozen Richtung Süden zu fahren, da der Gegenwind unangenehm sein soll. Ich sag es mal so: die erwähnten 34°C, keine Wolken vor der Sonne, kaum Schatten, oben auf dem Damm keine Bäume und die wenigen Radfahren haben sich bei mir hinten angehängt. Aus der Vorfreude auf Wärme und eine ebene Strecke wurde Verzweiflung. Ich weiss nicht ob es 3 oder 4 Stunden waren, irgendwann war ich in Trento angelangt und mit der Motivation am Ende.
Mit dem Auto fährt man von hier dann auf der Strasse durch einen Tunnel und kommt dann in die Hochebene vor Arco. Die Karte zeigte ca 800m Höhenunterschied, aber im Auto geht das doch so schnell wie geht das zusammen? Die Lösung: der Track führt einen über eine Passstraße Richtung Monte Bondone, ich war aber in Richtung des Tunnels unterwegs. Ganz wohl fühlt man sich auf so einer Strasse nicht, vor allem wenn man die italienische Fahrweise kennt, aber irgendwie wollte ich schnellstmöglich nach Arco. Da fährt ein Italiener mit Bus neben mich, erklärt mir dass das hier extrem gefährlich ist und er mich mitnehmen würde. Manchmal siegt die Vernunft über den Ehrgeiz und ich bin eingestiegen. Nach 5km war ich dann wieder auf den Radweg unterwegs. Den Traum diese Strecke auch mal mit dem Rad zu fahren sollte also in Erfüllung gegangen sein! Allerdings so richtig konnte ich mich – noch – nicht freuen. Um 20.00h sah ich endlich die Burg von Arco.
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Nach etwas Suchen war ich gegen 20.30h am Hotel. Ich glaube so schnell bin ich noch nie eingeschlafen und ich schlafe sonst schnell ein!

Am nächsten Morgen war der Bus pünktlich da, um 17h war ich nach 48 Stunden wieder daheim.

OK so richtig bequem Sitzen war im Bus nicht möglich und meine Zehen hab ich erst nach ein paar Tagen wieder gespürt, aber sonst ging das Ganze eigentlich ziemlich gut vorbei!

Danke an das Team für die Motivation – ohne die hätte ich es nicht geschafft!

André

Kurz die Daten:
430 km – gesamt 25,5h; reine Fahrzeit 24h – 5500hm

2 Comments

Filed under racing team

2 responses to “Lago di Garda non stop

  1. Mathias

    Toller Bericht, liest sich super!

  2. Super tour! Respekt! Thanks for sharring!

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